DNA-Barcoding-Infotag zeigt Sprung in die Praxis

Die praktischen Nutzungsmöglichkeiten des DNA-Barcoding waren Schwerpunkt eines Informationstags am 12. November 2015 an der Zoologischen Staatssammlung München. Experten stellten praxisnahe Beispiele aus unterschiedlichen Disziplinen vor, um zu zeigen, welch enormes Potential in der Methode um die Erstellung einer Gen-Bibliothek des Lebens steckt.

So referierten Dr. Frank Reckel und Dr. Jan-Eric Grunewald vom Bayerischen Landeskriminalamt (BLKA) über die Anwendungsmöglichkeiten des DNA-Barcoding im Bereich der forensischen Entomologie: Die rasche genetische Artbestimmung von Leichenbesiedlungsorganismen könnte bei der Aufklärung von Tötungsdelikten einen enormen Zeitgewinn bedeuten. Professor Dr. Ulrich Busch vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) lobte insbesondere Qualität und Umfang der BOLD Datenbank. Durch die neue Methodik biete sich eine wesentlich zuverlässigere Möglichkeit zur Aufdeckung von Lebensmittelbetrug als durch die herkömmliche Herangehensweise  zur Artbestimmung – beispielsweise für die richtige Deklarierung von Fischerzeugnissen. Über die Möglichkeiten des DNA-Barcoding aus der Praxis der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald wurde von Dr. Jörg Müller informiert. Gerade bei der Identifizierung schwieriger und potentiell kryptischer Arten im Rahmen von Monitoringmaßnahmen kann das DNA- Barcoding die herkömmliche Arbeit von Taxonomen maßgeblich unterstützen. Bei der standardisierten Erfassung der Artenvielfalt von Tieren und Pilzen, aber auch beim Schädlingsmonitoring wird die Methode in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Abgerundet wurde das Vortragsprogramm durch Professor Dr. Franz Bogner, Lehrstuhlinhaber für Didaktik der Biologie der Universität Bayreuth, der Wege aufzeigte, das DNA-Barcoding in die Schuldidaktik zu implementieren.

Während der nun zweiten Projektphase von BFB und GBOL erwarten sich die Wissenschaftler der ZSM weitere interessante Kooperationen für den Sprung des deutschen DNA-Barcoding in die Praxis. Beide Projekte wurden aufgrund ihres bisherigen Erfolges und den vielen potentiellen Anwendungsmöglichkeiten bis 2018 verlängert!